369. The Rhythm of Disagreement – 371. Timeless Identity

369. The Rhythm of Disagreement

Wann sollten wir Experten vertrauen und wann nicht? Ist es nicht immer rational auf die Meinungen von Experten zu vertrauen? Nein, man verfängt sich schnell im “Referenzklassen-Tennis”, denn die Frage ist: Wer ist Experte und in welchen Bereichen.

Aumann, Pearl und Thurn sind hochintelligente Bayesianer. Trotzdem ist Yudkowsky (zurecht) anderer Meinung als Aumann, was Religion angeht. Und auch mit Pearl und Thurn hatte er in gewissen Bereichen Meinungsverschiedenheiten. Mal lag er richtig, mal die anderen. Es lassen sich also keine allgemeinen Richtlinien aufstellen.

370.  Principles of Disagreement

Es gibt keine unumstößlichen Prinzipien. Der beste Rat ist immer noch: “Argumente sind wichtiger als Qualifikationen”. Obwohl das auch nicht wirklich stimmt. Denn wenn du beispielsweise mit Gell-Mann über Quarks diskutierst, machst du etwas falsch.

Um es noch unpräziser zu formulieren: “Achte auf Argumente, hüte dich vor Tribalismus und Signaling. Und mach das Ganze nicht komplizierter als es ist.”

371. Timeless Identity

Dieser Post bespricht mehrere Gedankenexperimente aus dem Buch “Reasons and Persons” von D. Parfit. Das Buch ist zwar äußerst gut, begeht aber viele ähnliche Fehler wie andere Philosophen zuvor.

“Wenn man deine Atome durch identische Atome ersetzt, bleibst du dann die selbe Person?” Dieser Gedanke ist zwar intuitiv plausibel, wenn man sich aber mit Quantenphysik beschäftigt, erkennt man, dass eigentlich nichts passiert, wenn man Atome durch identische Atome ersetzt.

Das Konzept der Identität lässt sich nicht auf einzelne Atome anwenden. Die fundamentale Basis der Realität besteht, soweit wir wissen, aus einem gemeinsamen Konfigurationsraum. Die Konfigurationen dieses Konfigurationsraumes haben mathematische Identitäten wie “Ein Partikel hier, ein Partikel dort” und nicht “Partikel 1 hier, Partikel 2 dort”. Was ein kleiner Billiardball zu sein scheint, ist eigentlich ist ein Faktor der Wellenfunktion, die sich eben (annähernd) in diese Faktoren zerlegen lässt.

Um es etwas anschaulicher zu machen, hier eine Analogie: Elektronen sind wie die “3en” in der Zahl 18. Die Zahl 18 lässt sich in die Faktoren 3, 3 und 2 spalten. Es macht aber keinen Sinn zu behaupten, dass die 3en zwar qualitativ identisch, jedoch nicht numerisch identisch sind (Termini von Parfit). Es sind einfach ganz normale 3en. Wenn du eine 3 durch eine andere ersetzt, passiert überhaupt nichts! Niemand merkt etwas! Und genau so verhält es sich beim “Ersetzen” identischer Atome.

Wenn man die MWI ernstnimmt, wird man sich sowieso vom Konzept physikalischer Identität, bzw. Kontinuität verabschieden müssen. Es macht keinen Sinn zu behaupten, dass es nur das eine Original in einer bestimmten Everett-Abzweigung gibt, während in allen anderen nur Kopien existieren. Nein, in jeder Everett-Abzweigung existieren Originale.

Was nützt uns dieses Wissen also im richtigen Leben? Es erscheint auf einmal rational, einen Vertrag mit Kryonik-Firmen einzugehen.

Und hier noch etwas ganz wichtiges:

Knowing about many worlds can help you visualize probabilities as frequencies, because they usually are.

Dieses Gedanken wende ich unglaublich oft an. Immer wenn ich mich dabei ertappe wie ich eine geringe Wahrscheinlichkeit von z.B. 10% einfach ignoriere, sage ich mir: “In 10% aller zukünftigen Everett-Branchen wirst du dafür büßen!” und ich ändere meist meine Entscheidung.

Hier noch eine unglaublich interessante Diskussion in den Kommentaren:

Kaj Sotala:

“Eliezer,

I have to ask now, because this is a topic that’s been bothering me for months, and occasionally been making it real hard for me to take pleasure in anything.

How strongly does MWI imply that worlds will show up where I even do things that I consider immensly undesirable – for instance, stab somebody I love with a knife, and then when they lay there dying and look at me, I honestly can’t tell them or myself why I did it – because what happened was caused by a very-low probability event that momentarily caused my brain to give my arm that command? (I know I’m not using anywhere near the correct QM terminology, but you know what I mean.) Or that my brain would spontaneously reconfigure parts of itself so that I ended up coldly abandoning somebody who had trusted me and who I’d promised to always be with, etc.

The thought of I – and yes, since there are no originals or copies, the very I writing this – having a guaranteed certainty of ending up doing that causes me so much anguish that I can’t help but thinking that if true, humanity should be destroyed in order to minimize the amount of branches where people end up in such situations. I find little comfort in the prospect of the “betrayal branches” being vanishingly few in frequency – in absolute numbers, their amount is still unimaginably large, and more are born every moment.”

Eliezer Yudkowsky:

“Kaj, you have to learn to take comfort in this. Not taking comfort in it is not a viable option.

I’m serious. Otherwise you’ll buy lottery tickets because some version of you wins, make inconsistent choices on the Allais paradox, choose SPECKS over TORTURE…

Shut up and multiply. In a Big World there is no other choice.”

Unkown:

“Kaj didn’t suggest that there is any other viable option. He suggested killing off the human race.

This strategy would fail too, however, since it would not succeed on every branch.”

-> MW ist nicht für Pussies.

 

 

 

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