348. The Dilemma: Science or Bayes?

348. The Dilemma: Science or Bayes?

Traditionelle Wissenschaft und bayessche Wahrscheinlichkeitstheorie stellen unterschiedliche Anforderungen, was die Güte einer Theorie anbelangt.

Eine Theorie ist wissenschaftlich, wenn sie neue Vorhersagen macht und experimentell getestet werden kann. Hier schneidet die MWI relativ schlecht ab, da die Kopenhagener Interpretation zuerst kam. Wenn hingegen die MWI zuerst vorgeschlagen worden wäre, hätte nun die Kopenhagener Interpretation dieselben Probleme, da sie, falls wir die MWI als Ausgangstheorie festlegen,  ja auch keine neuen Vorhersagen macht und nicht experimentell getestet werden kann. (Außerdem klingt die MWI science-fictionesk. Unendlich viele Parallelwelten mit unterschiedlichen “Ichs”? Komm schon….)

Eine Theorie ist dagegen wahrscheinlich (im Hinblick auf bayessche Wahrscheinlichkeitstheorie), wenn sie unkompliziert ist (geringe Kolmogorov-Komplexität -> hohe a priori Wahrscheinlichkeit) und wenn sie viele, spezifische Vorhersagen macht, die nicht falsifiziert wurden (-> hohe a posteriori Wahrscheinlichkeit).

Im Hinblick auf den zweiten Punkt schneiden MWI und die Kopenhagener Interpretation (CI) gleich ab. Aber die MWI ist viel einfacher als die CI.

Das Problem ist natürlich, dass die meisten Physiker noch nie von Solomonoff-Induktion, Kolmogorov Komplexität oder der Anwendung des Bayestheorems auf wissenschaftstheoretische Fragen gehört haben. Selbst die meisten Statistiker sind Frequentisten!

Wie können wir uns also so sicher sein, dass wir Recht haben, wenn die Mehrheit etwas anderes denkt? (Obwohl das wahrscheinlich gar nicht stimmt, da in manchen Umfragen die MWI die favorisierte Interpretation unter theoretischen Physikern ist.)

Es gibt gute epistemische Argumente, die dafür sprechen, dass man sich (fast) immer der Mehrheit anschließen sollte (=philosophical majoritarianism). Gott sei Dank glaubt die Mehrheit aller Menschen an Gott, so dass wir diese Theorie getrost in die Tonne treten können.

Es bleibt aber immer noch ein Dilemma. Denn es gibt genug Menschen, die hoch intelligent sind und bayessche Wahrscheinlichkeitstheorie in- und auswendig kennen, und dennoch schwachsinnige Ansichten haben. Man denke nur an Aumann, der orthodoxer Jude ist.

Viel zu oft führen uns die eigenen Gedanken ins Land des Wahnsinns, deshalb bedarf es einer sozialen Institution wie der wissenschaftlichen Gemeinde, mit all ihren “epistemsichen Checks and Balances”.

 

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