293. Joy in the Merely Real

293. Joy in the Merely Real

Wenn man sich darüber beschwert, dass ein Phänomen wissenschaftlich erklärt wurde, und nun dem langweiligen “Katalog gewöhnlicher Dinge” angehört, hat man ein Problem. Denn was gehört in diesen Katalog? Alle “normalen” Dinge, alle nicht magischen Dinge, alle Dinge, die wissenschaftlich erklärbar und Teil unseres ordinären Universums sind, also alle Dinge, die real sind.

Wenn man so denkt, kann man nur entäuscht werden. Entweder ein Phänomen ist lediglich erfunden, oder noch schlimmer, es ist real.

Wenn wir uns nicht an Dingen begeistern können, die lediglich real sind, wird unser Leben immer leer sein.

Da hat er recht.

Wenn dir dein Universum nicht passt, hast du ein Problem. Soweit ich das sehe, gibt es fünf Möglichkeiten:

1. Man verändert das Universum so weit, bis es einem gefällt (Die Route des Transhumanismus/der Singularität).

2. Man nivelliert seine Nützlichkeitsfunktion vollständig, so dass einem das Universum im jetzigen Zustand und all seinen Schrecken egal ist (Viele Schulen des Buddhismus lehren z.B. alle eigenen Wünsche aufzugeben).

3. Man verändert seine Nützlichkeitsfunktion so weit, dass einem die Welt gefällt, wenn sie das nicht eh schon tut (dies ist eigentlich Teil jeder pragmatischen Philosophie wie der Stoiker, Epikureer, oder auch moderner kognitiver Verhaltenstherapie).

4. Man lässt sich vom Wunschdenken leiten und glaubt an irgendeinen Unsinn, der einen tröstet, oder verdrängt die meisten seiner Sorgen (fast alle Religionen, New Age, die meisten politischen Ideologien, eigentlich die allermeisten Menschen).

5. Man behält seine Werte bei, hält eine künftige, fundamentale Verbesserung der tristen Lage für unmöglich und plädiert für die Vernichtung allen Lebens und somit allen Leidens (Pessimismus a la Schopenhauer, Antinatalismus a la Benatar, Annihilismus a la Horstmann).

Nummer 4 ist natürlich die geläufigste Methode und natürlich auch die abstoßendste von allen und zwar mit großem Abstand. War ja klar.

Für alle anderen lässt sich argumentieren, obwohl ich Nummer 2 für fast unmöglich halte, und auch Nummer 3 sieht mir etwas verdächtig aus.

Bleiben Nummer 1 und Nummer 5. Yudkowsky ist offensichtlich für Nummer 1 (vielleicht mit leichten Anteilen von Nummer 3, wie dieser Post erkennen lässt, obwohl ich mit ihm übereinstimme, dass es dumm ist, kategorisch alle Phänomene als bedeutungslos und langweilig zu klassifizieren, sobald sie regelhaft sind und durch Wissenschaft erklärt werden können. Ich mein, ich fände es super cool im Universum von Baldur’s Gate zu leben, selbst wenn es sich vollständig wissenschaftlich erklären ließe.) An den meisten Tagen bin ich für Nummer 1, an schlechten für Nummer 5. (Bitte nicht weitersagen)

Das Schöne ist, dass ich Nummer 5 (Vernichtung der Menschheit) und Nummer 1 (Utopia) auch für am wahrscheinlichsten halte, da alle anderen Zustände nicht stabil sind. (Obwohl das berühmte Szenario von Hanson, das der Gruppe 3 angehört und mir ziemlich dystopisch erscheint, auch nicht unwahrscheinlich ist) Praktisch, nicht?

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