17. Supersimuli und der Untergang der westlichen Zivilisation

17. Supersimuli und der Untergang der westlichen Zivilisation (Deutsche Zusammenfassung von “Supersimuli and the Collapse of Western Civilization” by E. Yudkowsky)

Mindestens 3 Menschen sind schon durch tagelanges Spielen von Computerspielen gestorben. Es gibt Menschen, die ihre Ehefrauen, Kinder und Berufe an WoW verloren haben. Falls Menschen das Recht haben PC zu spielen -und es ist schwer sich ein fundamentaleres Recht vorzustellen- dann wird der Markt darauf reagieren und die spannendsten Spiele verkaufen, die verkauft und hergestellt werden können, und die engagiertesten Konsumenten werden dann eben vom Gen-Pool entfernt.

Ein Schokoriegel ist ein Supersimulus. Es enthält mehr Zucker, Salz und Fett als alles Essbare, das es jemals in der Umwelt unserer Vorfahren gab. Ein Schokoriegel stimuliert die Geschmacksnerven, die sich in der Jäger-Sammler-Umwelt gebildet haben, viel mehr als Essen, das auch tatsächlich in der Umwelt unserer Vorfahren existierte. Früher einmal korrelierte guter Geschmack mit gesundem Essen und vielen Kalorien, die wohl über die meiste Zeit hinweg eher knapp waren. Doch nun gibt es mehr als genug Essen und der Martk hat den Anreiz geschmacksvolles Essen zu erzeugen, und nicht gesundes Essen. Denn wir können Gesundheit leider nicht schmecken.

Das bekannte Dove-Evolution Video zeit die schwerliche Konstruktion eines weiteren Supersimulus: eine normale Frau wird durch Makeup, vorsichtige Fotographie, und schließlich Fotoshopping in ein Supermodel verwandelt. Eine Schönheit, die Frauen im echten Leben nicht erreichen können. Doch es gibt Frauen, die sich durch den Gebrauch von Appetitzüglern wie beispielsweise Speed umbringen, um mit Kontrahenten mitzuhalten, die in Wirklichkeit gar nicht existieren.

Genauso gilt, dass ein Videospiel eben spannender sein kann als die bloße Realität. Doch haben Produzenten von Videospielen einen Grund ihre Produkte nicht allzu spannend zu machen? Wenn das Spiel so spannend ist, dass die Spieler ihren Job verlieren können sie nämlich keine hohen Gebühren mehr zahlen. Das Problem ist jedoch, dass Produzenten miteinander konkurrieren. Wenn A ein Spiel etwas spannender gestalten kann als B, kann A B viele Kunden stehlen.

Wenn man die Schönheitstandards der heutigen Zeit mit denen aus den 50er Jahren vergleicht, merkt man jedoch schnell, dass wir seit langem den Punkt überschritten haben, an dem der Schaden für die durchschnittliche Frau noch gering war. Depressionen, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, und Essstörungen sind häufiger denn je. Dies ist wohl ein schlechtes Omen, was die Zukunft der Videospiele angeht.

Warum sagen wir dann nicht einfach nein?

Die Evolution scheint uns mit einem Kompromiss ausgestattet zu haben. Ein Donut ist zwar ein traumhaftes Geschmackserlebnis, doch sind wir mit Hilfe unseres übergroßen, präfrontalen Kortex in der Lage, der Versuchung zu widerstehen. Nicht allzu oft, da unsere Vorfahren mit zu großer Willenskraft wahrscheinlich relativ wenige Gene weitergegeben haben – sei es weil sie verhungert sind, und ihre Nahrung imaginären Göttern geopfert haben, oder weil sie zu selten fremdgegangen sind.

Doch die Videospieler, die gestorben sind, mussten Willenstärke aufwenden um wach zu bleiben und nicht zu essen; anscheinend hatten sie zu viel davon.

Willenskraft ist ein Muskel, der sich erschöpft. Man kann ihn trainieren, doch selbst der stärkste Muskel gibt irgendwann nach.

Unsere Willenskraft ist an die Stimuli der Umwelt unserer Vorfahren angepasst. Die heutigen Supersimuli könnten einfach zu stark für viele von uns sein.

Sollten wir also Schokoladenkeks-Werbungen verbieten? Ich enthalte mich und schließe mit einem Argument, das sich auf fiktive Indizien stützt:

Simon Funk’s Buch “After Life” handelt unter anderem von dem geplanten Aussterben des biologisches Homo Sapiens – und dies nicht durch marschierende Roboterarmeen, sondern durch künstliche Kinder, die viel süßer, netter und umgänglicher sind als wirkliche Kinder. Vielleicht wird uns ähnliches ereilen? Die Werbung wird immer verlockendere Alternativen zum Kinderkriegen anpreisen, während die Attraktivität des Windelwechselns wohl auf konstant niedrigem Niveau bleiben wird. Wo sind die Werbetafeln, auf denen “VERMEHRT EUCH!” steht? Welcher Werbefritze wird in Zukunft damit Geld verdienen das Streiten mit pubertierenden Jugendlichen zu bewerben? Ist ein Überlaub auf Tahiti nicht viel angenehmer?

Vielleicht wird das Ende der menschlichen Art durch allzu verlockende Werbung besiegelt.

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