1. Die Kampfkunst der Rationalität

( Wie versprochen,  meine erste Zusammenfassung des ersten Posts auf Lesswrong: The Martial Art of Rationality , von Eliezer Yudkowsky)

1. Die Kampfkunst der Rationalität

In gewisser Weise gleicht Rationalität der Kampfkunst. Man benötigt keine riesigen Muskeln um ein hervorragender Karate-Kämpfer zu sein. Ebenso benötigt man keinen IQ von 180 um rational zu sein. Nein, wie Meister der Kampfkünste gelernt haben ihre vorhandenen Muskeln optimal auszunutzen, so haben fortgeschrittene Rationalisten gelernt ihr Gehirn effizient zu nutzen.

Doch hier enden die Analogien. Kognitive Verhaltensweisen – i.e. das Gehirn- bewusst und gezielt zu verändern ist um einiges schwieriger als seine Muskeln zu trainieren. Man kann nicht einfach ins Fitnessstudio rennen. Und erst vor kurzem hat die Wissenschaft, nämlich evolutionäre Psychologie, Neurowissenschaft und die Erforschung von kognitiven Verzerrungen (begonnen von Kahneman und Tversky)  angefangen die verschiedenen irrationalen Neigungen und Tendenzen des menschlichen Geistes systematisch zu erforschen.

Und doch – dein Gehirn ist um einiges wichtiger als deine Muskeln. Es war das Gehirn – und nicht der Bizeps – von Homo Sapiens das uns zur Alleinherrschaft auf der Erde verholfen hat.
Wenn Rationalität so wichtig ist stellt sich die Frage warum es dann nicht mehr Rationalitäts-Dōjōs gibt.
Nun ja, zunächst gibt es keine zuverlässigen Rationalitätstests, mit deren Hilfe man testen könnte ob der Meister auch wirklich ein Meister der Rationalität ist oder ob sich die Rationalität des Schülers nach langwierigem Training überhaupt verbessert hat.
Außerdem bringen exzellente Fertigkeiten in den Kampfkünsten höheren Status mit sich als vergleichbare Fertigkeiten in rationalem Denken. Ein 360° Reverse roundhouse kick ist etwas lässiger als eine Rezitation von diversen logischen Fehlschlüssen.

Leave a Reply